Behandlung

Ebenso vielfältig wie die Symptome der ADHS sind ihre Behandlungsmöglichkeiten. Die verschiedenen, individuellen Ausprägungen der ADHS machen verschiedene Ansätze einer erfolgreichen Therapie nötig. Es sollte jedoch immer ein Grundsatz gelten :

NICHT DIE KRANKHEIT IST ZU BEHANDELN – SONDERN EINZIG DER MENSCH !

Ein defektes oder verbeultes Auto kann mit Hilfe einer Reparaturanleitung oder einer Werkstatt vielleicht wieder zum Fahren gebracht oder wieder neu lackiert werden. Die Fehlersuche und die Behebung der Schäden ist relativ einfach. Notfalls tauscht man einfach den Motor aus oder kauft – wenn nichts anderes mehr hilft – ein neues Auto. Bei der Erkrankung eines Menschen ist die „Fehlersuche“ und Behebung der Störung jedoch nicht so einfach möglich. Dieses gilt um so mehr, wenn es sich dabei um eine psychische Erkrankung oder Störung handelt. Ein Austausch des Gehirns oder der  Kauf einer neuen Psyche ist nun einmal nicht möglich.
Die diversen Möglichkeiten, von ADHS betroffene Menschen zu behandeln, zielen hauptsächlich auf die Linderung der Symptome – um deren direkte und indirekte Auswirkungen auf den Patienten und dessen Umfeld zu mildern. Entscheidend bei jeder Form der Behandlung ist die strikte Einhaltung des oben genannten Grundsatzes.

Ein weiterer Grundsatz sollte für alle Menschen gelten, die mit ADHS-Patienten zu tun haben – seien es Angehörige, Freunde, Partner oder Lehrer, Vorgesetzte und Kollegen oder Mediziner :

IMMER NUR MIT DEM PATIENTEN ARBEITEN – NIEMALS GEGEN IHN !

Der Patient bestimmt die Richtung und das Tempo seiner Behandlung. Er entscheidet einzig und allein, ob und wie wie er „seine“ ADHS behandeln möchte und wie er mit „seiner“ Erkrankung, „seiner“ Störung umgeht. Jeder Versuch, ihn diesbezüglich zu beeinflussen und zu bevormunden ist – quasi schon aufgrund der ADHS selber – zum Scheitern verurteilt. Die Frage nach dem „Leidensdruck“ – die im Verlauf eines Diagnosegespräches eigentlich immer gestellt wird – erhält durch die Beachtung dieses Grundsatzes eine ganz entscheidende Bedeutung für den Erfolg einer ADHS-Therapie:
Nur wenn der Leidensdruck des Patienten (und nur dessen !) hoch genug ist, ist der Patient auch in der Lage, die Notwendigkeit einer Behandlung nachvollziehen und akzeptieren zu können. Nur dann ist es ihm möglich, sich der Herausforderung zu stellen und aktiv an sich und den durch die ADHS verursachten Probleme zu arbeiten. Für die Angehörigen eines ADHS-Betroffenen bedeutet dieses jedoch NICHT, sich nun in ihr Schicksal zu fügen. Es ist durchaus gestattet und meistens sogar dringend erforderlich, „ihrem“ ADHSler zu vermitteln, das sein Leiden – welches er oftmals gar nicht als ein solches empfindet – das Zusammenleben mit ihm ebenfalls und im Wortsinne „in Mitleidenschaft“ zieht und seine Problematik nur noch verstärkt und ausweitet.

Da die meisten ADHSler hierauf jedoch bestenfalls wie die berüchtigte „beleidigte Leberwurst“ reagieren, müssen die Angehörigen müssen immer wieder die Gratwanderung zwischen unsachlicher Schuldzuweisung und berechtigter Kritik an den Verhaltensweisen des Patienten bestehen.
Hierbei kann z.B. eine Selbsthilfegruppe oder eine spezielles Angehörigen-Coaching hilfreiche Tipps geben und Unterstützung leisten.

Vieles an der ADHS ist anders, wirkt paradox und widersprüchlich. Manches kann nicht eindeutig definiert oder gar erklärt werden.
Darum wirken auch die Möglichkeiten einer Behandlung so anders, so paradox, so widersprüchlich. Eine simple und sichere Methode, seine ADHS behandeln, ist eine umfassende Information.

 

„Je mehr Sie über ADD erfahren, desto mehr verändern Sie sich. Sie erwerben eine nie gekannte Kraft, und diese Kraft beruht auf Ihrem Wissen. Ihr Wissen wird zu einem Teil Ihrer selbst und führt Sie lautlos und unmerklich zu neuen Ufern.”
aus : Edward M. Hallowell; John Ratey
„Zwanghaft zerstreut oder die Unfähigkeit aufmerksam zu sein“

Information heißt, zu wissen was für für eine Krankheit, was für eine Störung ADHS eigentlich ist. Woher kommt sie ? Was macht sie ? Was hat sie schon gemacht ? Wie beeinträchtigt sie Denken und Handeln des ADHSlers. Wie sein Leben ?
Es gibt eine Menge von Büchern, unzählige Internetseiten und zahlreiche weitere Informationsquellen, welche sich mit ADHS beschäftigen und derlei Fragen beantworten können. Welche Art von Information hilfreich sein kann, sowie deren Bewertung muss jeder Betroffene für sich selber herausfinden. Leider gilt es oft, erst einmal die Spreu vom Weizen zu trennen und zu lernen, wie man objektive, seriöse, fundierte und sachliche Informationen und Hilfsangebote von jenen unterscheiden kann, welche sich unseriöser, einseitiger und zum Teil sogar gefährlicher Inhalte bedienen. Zum Glück sind diese jedoch relativ schnell zu erkennen und im Zweifelsfalle fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker !
Die – auch kritische – Auseinandersetzung mit der ADHS kann dazu beitragen, die Störung besser zu verstehen und für sich annehmen zu können. Die Information, das Wissen um die Krankheit, ja sogar schon die Diagnose kann somit bereits als ein Teil der Behandlung verstanden werden.

„Häufiger als bei anderen Störungen hat schon das Erstellen der ADD-Diagnose eine starke therapeutische Wirkung.
Das Gebäude jahrelanger Missverständnisse stürzt ein, sobald die Ursachen der Probleme des einzelnen klar erkannt sind.“
aus : Edward M. Hallowell; John Ratey
„Zwanghaft zerstreut oder die Unfähigkeit aufmerksam zu sein“

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